Dr. Peter Kemeter erzählt ...
Schon am Beginn meiner Ausbildung an der 2. Univ.-Frauenklinik Wien im Jahre 1970 habe ich mich besonders mit Hormonstörungen und mit der Sterilität beschäftigt. Als dann im Jahre 1977 die erste Geburt eines Kindes nach Zeugung in vitro (außerhalb des Körpers im Glase) durch das Team von Steptoe und Edwards in England erfolgte, haben wir an der Klinik diese Methode zu einem Schwerpunkt unserer Tätigkeit gemacht.
Damals war ja alles noch viel komplizierter als heute. Es wurden die Eizellen (Oozyten) noch per Laparoskopie (Bauchspiegelung) aus den Eierstöcken (Ovarien) entnommen. Dabei wird in Vollnarkose ein optisches Instrument durch den Nabel in die Bauchhöhle eingeführt, was nur möglich ist, wenn vorher der Bauchraum (Abdomen) mit CO2-Gas aufgefüllt wird um den Darm vor Verletzungen zu schützen. Weiters musste die Frau tagelang alle 6 Stunden Harn sammeln, damit wir daraus durch LH-Bestimmung den Eisprung und die beste Zeit für die Eizell-Entnahme (oocyte retreaval) bestimmen konnten.
Im Jahre 1981 war es dann soweit: nach zahlreichen erfolglosen Versuchen wurde die aus Jugoslawien stammende Patientin Jovanovic schwanger und gebar 1982 einen gesunden Knaben mit dem Namen Slatan. Das war in Österreich die erste erfolgreiche IVF (In-vitro-Fertilisation). Dieser Erfolg des Teams Wilfried Feichtinger, Stephan Szalay und Peter Kemeter hat in den Medien einiges Aufsehen erregt (Titelseite 1982, Erstes österr. IVF-baby, lit.Nr.44).
Das Team löste sich danach bald auf. Stephan Szalay ging als Primarius einer gyn.Abteilung nach Klagenfurt und Wilfried Feichtinger und ich gründeten ein privates Institut für IVF in Wien. Dort konnten wir die Methode zunehmend vereinfachen. Zunächst übernahmen wir die aus Skandinavien stammende Technik der ultraschallgelenkten Punktion der Ovarien (Follikelpunktion) durch die Bauchdecke, wozu keine Vollnarkose nötig ist. Seither kann die Behandlung komplett ambulant durchgeführt werden. Schließlich gingen wir zur vaginalen Punktionstechnik über, die für die Patientinnen noch weniger belastend ist. Sie ist heute weltweit die Methode der Wahl.
In der Folge entwickelte sich unser Institut ausgezeichnet und es resultierten aus unserer Arbeit viele wissenschaftliche Publikationen. Zunehmend integrierte ich auch die Psychosomatik in die Behandlung und konnte feststellen, wie viel Gespräche mit den betroffenen Patienten bewirken können.
Nach langer Suche habe ich mit Alexander Schütz nun einen Nachfolger gefunden, der einerseits durch seine Ausbildung an der Universitätsklinik in Heidelberg, andererseits durch seine Aufbauarbeit im Rahmen der Errichtung und Etablierung der IVF Abteilung am A.ö.KH in Oberpullendorf, Burgenland, sehr viel Erfahrung und Erfolg mit den modernsten Methoden der Kinderwunschbehandlung mitbringt, der aber auch sehr viel Wert auf den persönlichen Zugang zu den Paaren und die persönliche Betreuung legt, wie das von mir in den letzten Jahren praktiziert wurde. Somit bin ich sehr stolz darauf, dass die Arbeit im neuen Institut Adebar in meinem Sinne weitergeführt wird. In der ersten Zeit werde ich meinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite stehen und mich daher noch nicht ganz aus der Kinderwunschbehandlung zurückziehen.

